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Forschung trifft Praxis: So funktioniert medizinische Forschung in einer Uniklinik

Ohne Forschung wäre moderne Medizin nicht denkbar. Wie aber gelangt Praxis in Forschung und Forschung in Praxis? „Am Anfang jeder Forschung steht das, was man in der Praxis erlebt.

Klinische Forschungsarbeit findet nicht im Labor statt, sondern im Arbeitsalltag, zwischen Operationssaal und Station“, sagt Prof. Günther Winde, Direktor der Uniklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Thoraxchirurgie und Proktologie im Klinikum Herford. „Die Vernetzung von Grundlagenforschung, klinischer Forschung und Praxis führt zu neuen Methoden in der Diagnostik und Therapie und so zu verbesserten Verfahren in der Patientenversorgung“, weiß er. Aktuell laufen in seiner Klinik zehn Forschungsprojekte und vierzehn Promotionsarbeiten.

Forschung, damit der Behandlungszeitraum von Mastdarmkrebs verkürzt werden kann

Ein Beispiel für die Anwendung von Forschung in der Praxis im Klinikum betrifft die Behandlung von Mastdarmkrebs. „Die Therapie des Mastdarmkrebses ist langwierig und für die Patienten sehr belastend. In den meisten Fällen ist die Behandlungsdauer ca. 30 Wochen lang, eingeschlossen die Bestrahlung, die Operation und die Chemotherapie“, erklärt Prof. Winde. Seine Idee: Durch ein spezielles Chemotherapie-Gel, das vor einer Operation lokal im Darm appliziert wird, kann der Krebs direkt vor Ort angegriffen und bekämpft werden. Dem Patienten könnten Nebenwirkungen erspart, die Behandlungsdauer deutlich verkürzt werden.

Mittlerweile wurde eine überregionale Forschungsgruppe der Ruhr-Universität Bochum unter der Leitung von Prof. Günther Winde etabliert. An dieser Forschungsgruppe sind neben Kollegen des Klinikums auch Ärzte der Charité Berlin und der Onkologie der Ruhr-Uni Bochum beteiligt, aus dem Bereich der Grundlagenwissenschaften ist Dr. Achim Weber aus dem IGB-Fraunhofer Institut in Stuttgart federführend. „Aktuell sind wir dabei, einen Medikamententräger zu entwickeln, um die Chemotherapie an der betroffenen Stelle verabreichen zu können. Eine Forschungsförderung wird zurzeit bei der Deutschen Krebsgesellschaft beantragt“, so Prof. Winde. „Es ist schön zu erleben, welches Potential eine Kooperation aus drei Universitäten mit Klinik, Biowissenschaft, Pharmazie, Statistik und Molekularbiologie beleben kann“, freut sich Dr. Arnold M. Raem aus Münster, Kooperationspartner der Herforder Chirurgen.

Intelligenter OP-Handschuh unterstützt junge Chirurgen

Auch die Medizinstudenten und Ärzte in der praktischen Facharzt-Ausbildung werden schon bald von einer Forschungsentwicklung profitieren, dem intelligenten OP-Handschuh „Colortouch“. Oberarzt Michael Kaspari betreut die Medizinstudenten der Uniklinik. Im Naht- und Knotenkurs lernen die Studierenden mit Nahtmaterial umzugehen. „Wie stark zieht man eigentlich am Faden?“, war dort eine häufig gestellte Frage. Da die Antwort „das Gefühl dafür kommt mit der Erfahrung eines Operateurs“ nicht befriedigend war, stellte er gemeinsam mit den Studierenden des Kurses Messwerte zusammen.

Wie aber wird Erfahrung spürbar? Mit dieser Frage und den Messwerten der Studierendenden im Gepäck entwickelte Prof. Günther Winde die Idee eines OP-Handschuhs, der dabei unterstützen soll, die richtige Zugkraft anzuwenden. „Im Zeigefinger des Handschuhs ist ein spezieller Kunststoff eingesetzt, der als Messinstrument dient. Der Handschuh verändert am Zeigefinger seine Farbe, je nachdem wie stark man zieht, Moleküle mechanochromer Polymere verändern die Farbe beim Nähen“, erklärt Winde. Den Weg in die Praxis hat die Idee schon gefunden. Die Patententwicklung erfolgte zusammen mit Dr. Christian Rabe aus dem IAP-Fraunhofer Institut Potsdam. In Deutschland ist der Handschuh bereits patentiert, die internationale Patentanmeldung steht kurz vor dem Abschluss. Aktuell ist man auf der Suche nach einem Medizinproduktehersteller, der den Handschuh anfertigen darf.

Erfolgreich umgesetzt: OP-Roboter mit „Haptik-Ampel“

Während einer minimalinvasiven Operation mit dem da Vinci Operationssystem sitzt einer der Chirurgen an der Operationskonsole und bedient die Instrumente des OP-Roboters. Über den Bildschirm der Konsole erhält er einen 3D-Einblick in das Operationsgebiet. In der Ausbildung im Umgang mit dem „da Vinci“ wird dem Chirurgen das Gefühl für die Instrumente vermittelt, z. B. wie schnell die Bewegung sein darf oder wie stark der Zug oder Druck auf die Gewebestrukturen (beispielsweise den Darm) ausgeübt wird. „Durch die ‚Haptik-Ampel‘ am Monitor der OP-Konsole wird der Operateur zusätzlich unterstützt. Leuchtet die Ampel grün, weiß der Operateur, dass das Gewebe adäquat behandelt wird, leuchtet sie gelb, sollten die Instrumente vorsichtiger bewegt werden“, erklärt Oberarzt Dr. Kolbe, einer der Hauptoperateure am da Vinci. Die Umsetzung der Idee in die Praxis erfolgte innerhalb weniger Wochen. Lennart Wellmann, Techniker und Spezialist am 3D-Drucker, nahm kreativ und engagiert die Anpassungen an den Tastschaltern und dem Datenlogger vor. „Manchmal brauche es eben nicht viel, außer einer guten Idee und engagierten Menschen, die für Medizin und Forschung brennen“, sagt Prof. Winde stolz.

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Digitaler Infoabend für werdende Eltern

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Eine demenzielle Erkrankung löst bei den Betroffenen, aber auch in seinem Umfeld und vor allem bei d ...