Informationen zu Darmkrebs

Behandlungsmöglichkeiten

Überblick über die therapeutischen Schwerpunkte Im Zentrum für Darmkrebs:

  • Dickdarmkrebs-Operationen
  • Mastdarmkrebs-Operationen
  • Chemotherapie
  • Strahlentherapie
  • Neue Behandlungsmethoden wie z.B. Antikörpertherapie, neoadjuvante Therapiekonzepte beim Mastdarmkrebs
  • Transanale Endoskopische Mikrochirurgie (TEM)

Welche Therapien sinnvoll sind, ergeben sich aus der Auswertung aller Untersuchungsbefunde. Unterstützend zur Operation werden Chemotherapie, Bestrahlung und Kombinationen aus diesen Therapieverfahren angewendet. Für die Auswahl der am besten geeigneten Therapie ist die Frage entscheidend, ob eine Heilung (kurative Behandlung) oder nur eine Linderung (palliative Behandlung) möglich ist.

Erläuterung der einzelnen Maßnahmen

Klassifizierung des Tumors: Es ist wichtig festzustellen, wie weit der Krebs sich ausgebreitet hat. Um Untersuchungs- und Forschungsergebnisse besser miteinander vergleichen zu können, haben Ärzte und Wissenschaftler ein international gültiges Verfahren – das TNM-System – entwickelt, das bösartige Tumoren hinsichtlich ihrer anatomischen Ausbreitung klassifiziert und verschiedenen Stadien zuordnet. Die Abkürzung TNM (engl. tumor, node, metastasis) steht für die Kriterien, anhand derer sich die lokale Ausbreitung der Krebserkrankung und die eventuelle Ausdehnung auf weitere Körperregionen beschreiben lässt.

Die Operation: Das einzige Verfahren, mit dem Darmkrebs geheilt werden kann, ist nach wie vor die Operation. Dies gilt sowohl für Dickdarm- als auch für Mastdarmkrebs. Zusätzliche Maßnahmen wie Chemotherapie oder Strahlentherapie können den Erfolg der Operation sichern und nach erfolgreicher Operation die Langzeitprognose der Erkrankung verbessern. Bei Darmkrebs in einem frühen Stadium (I und II) kann allein durch die Operation eine vollständige Heilung erreicht werden. Aber auch in fortgeschrittenen Stadien (III und IV) können durch die Operation Beschwerden gelindert und schwere Komplikationen vermieden werden, wodurch das Leben des Patienten erfahrungsgemäß verlängert wird.

  • Kurative Operation: Hauptziel ist die völlige Entfernung des betroffenen Darmabschnitts und der zugeordneten Lymphgefäße und Lymphknoten. Dabei wird ein ausreichender Sicherheitsbereich von gesundem Darmgewebe mit entfernt. Da der Dickdarm recht lang ist, bedeutet der Verlust eines Teils für seine Funktion meist keine Beeinträchtigung. Bei zwei Drittel der Patienten befindet sich die Erkrankung oberhalb des Mastdarms, sodass die Erhaltung des normalen Stuhlgangs möglich ist. Wird nur ein kurzer Abschnitt des Darms entfernt, können im einfachsten Fall die Enden wieder zusammengenäht oder -geklammert werden. In schwierigen Fällen (z.B. beim Durchbruch eines Tumors in die Bauchdecke, akutem Darmverschluss oder einer Infektion der Bauchhöhle) werden nach der Entfernung des Tumors die  Dickdarmenden nicht direkt zusammengefügt, sondern ein vorübergehender, künstlicher Darmausgang (Anus praeter, Stoma) geschaffen. Weit häufiger jedoch ist die Anlage eines protektiven („schützenden“) Stomas, das die Darmnaht schützt und nach einiger Zeit wieder zurückverlegt werden kann. Dabei wird der Stuhlgang vorzeitig durch die Bauchhaut ausgeleitet und in einem auf der Haut befestigten luftdichten Beutel geruchlos aufgefangen. Nach ungestörter Wundheilung wird der künstliche Darmausgang nach etwa 6 bis 12 Wochen wieder verschlossen. Bei einem Drittel der Darmkrebspatienten liegt die Erkrankung im Mastdarm. Dank moderner Operationsverfahren ist auch hier in den meisten Fällen eine Erhaltung des natürlichen Darmausgangs möglich. Liegt der Tumor jedoch so nahe am  Darmausgang, dass der Schließmuskel mit entfernt werden muss, bleibt der künstliche Darmausgang dauerhaft bestehen.
  • Palliative Operation: Auch wenn der Darmkrebs schon weit fortgeschritten und mit einer vollständigen Heilung nicht mehr zu rechnen ist, entscheiden sich Ärzte oft für eine palliative Operation. Dadurch können Beschwerden gelindert und drohende Komplikationen, wie zum Beispiel ein lebensbedrohlicher Darmverschluss, verhindert werden. Zu einem Darmverschluss kann es kommen, wenn das Krebsgewebe weit ins Darminnere wächst und schließlich keine Stuhlpassage mehr möglich ist. Der Chirurg versucht dann durch eine Verkleinerung des Krebstumors möglichst die Engstellen am Darm zu beseitigen. Ist dies nicht möglich, wird entweder eine Umgehung des Tumors geschaffen (Umgehungsanastomose) oder vor dem Tumor ein künstlicher Darmausgang angelegt.

Nähere Informationen zu den Operationsverfahren finden Sie auf den Seiten der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Thoraxchirurgie und Proktologie.

Operationsergebnis: Nach der Operation wird das entfernte Tumorgewebe im Labor feingeweblich untersucht. Dabei stellt sich heraus, ob der Tumor komplett entfernt wurde (R0-Resektion) und ob in dem entfernten Lymphgewebe Tumorzellen vorhanden sind - was auf bestehende Lymphknotenmetastasen hinweisen würde. Bei der mikroskopischen Untersuchung zeigt sich, wie aggressiv und bösartig die Krebszellen sind. Diese Tumorcharakterisierung bezeichnet man als "Grading". Ein Darmkrebs aus aggressiven Krebszellen wächst schneller und bildet früher Metastasen in anderen Organen. Man unterscheidet durch vier Stufen, G1 bis G4, die so genannten Malignitätsgrade.

Nähere Informationen zur feingeweblichen Untersuchung finden Sie auf den Seiten des Institutes für Pathologie.

Chemotherapie: Die Chemotherapie wird für Patienten bei Dickdarmkrebs ab Stadium III und bei Mastdarmkrebs bereits ab dem Stadium II empfohlen. Gerade bei Patienten, bei denen die Lymphknoten befallen sind, wird sie nach einer erfolgreichen Operation eingesetzt, um die Wahrscheinlichkeit des Therapieerfolges zu erhöhen. Eine Chemotherapie wird als adjuvant bezeichnet, wenn sie zur Erfolgssicherung nach einer vollständigen operativen Beseitigung des Tumors dienen soll. Die neo-adjuvante Chemotherapie findet vor der Operation mit dem Ziel statt, den Tumor oder Metastasen zu verkleinern, um sie operieren zu können. Bei der palliativen Chemotherapie geht es um die Verbesserung der Lebensqualität und die Verlängerung des Lebens. Sehr häufig wird die Chemotherapie mit einer Strahlentherapie kombiniert.

Wirkungsweise: Die bei der Chemotherapie verwendeten Medikamente nennt man Zytostatika. Sie beeinflussen das Zellwachstum und können insbesondere die Zellteilung verhindern oder verzögern. Sie wirken nur auf aktive, sich teilende Zellen. Da Tumorzellen sich besonders häufig teilen und ausbreiten, sind sie das Hauptziel dieser Substanzen. Allerdings werden auch gesunde Körperzellen von Zytostatika in Mitleidenschaft gezogen, was zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann. Neben der wachstumshemmenden Wirkung, können einige Zytostatika einen Tumor empfindlicher gegenüber einer Strahlentherapie machen. Die meisten Zytostatika werden intravenös, entweder als Injektion, Kurzinfusion oder aber als „Dauerinfusion“, verabreicht. In der Regel läuft die Infusion durch eine Vene am Arm, in manchen Fällen aber auch über ein „Portsystem“, das zuvor in Verbindung zu einer zentralen Körpervene angelegt wurde. Einige neuere Substanzen können in Tablettenform eingenommen werden. Hierbei gelangt der Wirkstoff über das Verdauungssystem in die Blutbahnen und verteilt sich im ganzen Körper. Ziel ist es, alle im Körper verstreuten Krebszellen abzutöten. Man nennt diese Behandlung auch systemische Chemotherapie. Die Therapie kann ambulant oder stationär erfolgen, abhängig von der Art der Chemotherapie und den zu erwartenden Nebenwirkungen. Weitere Informationen zu den Nebenwirkungen finden Sie unter dem Register „Chemo- und/oder Strahlentherapie“.

Nähere Informationen zur Chemotherapie finden Sie auf den Seiten der Medizinischen Klinik II und des Medizinischen Versorgungszentrums.

Medikamente zur Krebstherapie: Nicht jedes Zytostatikum wirkt gegen jede Krebsart. Was genau in Ihrem Falle angebracht ist, wird in der interdisziplinären Tumorkonferenz des Darmzentrums individuell anhand eines Zellbefundes entschieden. Darmkrebs ist nicht gleich Darmkrebs – was dem einen Patienten vielleicht geholfen hat, kann bei einem anderen nahezu wirkungslos bleiben. Deshalb sind vorherige Untersuchungen notwendig, um einen größtmöglichen Nutzen der Behandlung zu gewährleisten. Wir werden Ihnen erklären, welche Behandlung wir Ihnen empfehlen und warum gerade diese für Sie die zweckmäßigste ist.

Strahlentherapie: Hauptsächlich wird die Strahlentherapie (Radiotherapie) bei Tumoren im Mastdarm ab dem Stadium II angewandt. In der Regel wird vor einer Operation bestrahlt, um den Tumor zu verkleinern. Wird die Strahlentherapie nach einem chirurgischen Eingriff eingesetzt, hat sie das Ziel, eventuell verbliebene einzelne Krebszellen zu zerstören. Die Dauer der Strahlentherapie ist sehr unterschiedlich und hängt sowohl von der Tumorgröße als auch von der Art und dem Umfang der geplanten bzw. durchgeführten Operation ab. Oft wird die Strahlentherapie mit einer Chemotherapie kombiniert (Radiochemotherapie). Auch hier gilt, dass Therapien, die für Sie in Frage kommen, ganz individuell angepasst werden müssen. Über die Behandlung, die Wirkungsweise sowie mögliche Nebenwirkungen und deren Eindämmung, werden wir vorher mit Ihnen sprechen.

Nähere Informationen zur Strahlentherapie finden Sie auf den Seiten der Klinik für Strahlentherapie.

Alternative Therapien: Es gibt neben der Operation, Chemo- und Strahlentherapie eine Vielzahl an „ganzheitlichen“ Behandlungen – auch „alternative Therapien“ genannt. Dazu gehört zum Beispiel die Behandlung mit homöopathischen Präparaten. Bitte sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt, bevor Sie an eine alternative Therapie denken. Ergänzend können diese Therapien sinnvoll sein – die schulmedizinische Behandlung darf sie aber in keinem Fall ersetzen.