Prophylaktische Operationen im kolorektalen Bereich bei genetischer Disposition - Was ist bisher gesichert?
G. Winde ¹, T. Wittkowski ¹, H. Bartsch ², H. Osswald ²
1: Klinik für Chirurgie
(Allgemein-, Thorax- und Viszeralchirurgie mit Coloproktologie)
Klinikum Herford,
Schwarzernmoorstraße 70
32049 Herford
2: Deutsches Krebsforschungsinstitut,
Abt. C0200, Toxikologie und Krebsrisikofaktoren
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
Korrespondenz und Korrekturen erbeten an:
Prof. Dr. med. Günther Winde Klinik für Chirurgie
(Allgemein-, Thorax- und Viszeralchirurgie mit Coloproktologie)
Klinikum Herford,
Schwarzernmoorstraße 70,
32049 Herford
Telefon: 0 52 21 / 94 - 24 20
Telefax: 0 52 21 / 94 - 11 24 21
E-Mail: prof.winde@klinikum-herford.de
Vererbbare Syndrome mit Risiko zur Entwicklung vornehmlich kolorektaler Karzinome
Die zu diskutierenden Erkrankungen lassen sich in Formen mit und ohne Ausbildung von kolorektalen Polypen unterteilen. Trotz Unterscheidung von Polyposen mit bis zu mehreren hundert Polypen im Kolon können auch Patienten aus den Non-Polyposis-Syndromen adenomatöse Polypen, meistens nur einzelne, ausbilden. Daher ist die letztere Gruppe von Patienten klinisch schwierig von Patienten mit sporadischen Adenomen zu unterscheiden, ebenso bei fehlender Familienanamnese und bei fehlender Bereitschaft oder Möglichkeit zur Genanalyse.
Die Gesamtzahl der Entität ist gering.
| Hereditäre Polyposis-Syndrome |
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1. Familiäre Adenomatöse Polyposis (FAP) |
| Hereditäre Non-Polyposis-Syndrome |
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1. HNPCC (Lynch I und II Syndrom) |
Die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) betrifft ca. 0,5–1 Prozent aller Patienten mit kolorektalem Karzinom (CRC-Patienten), Patienten mit Peutz-Jeghers-Syndrom betreffen, zusammen mit weiteren äußerst seltenen Polyposen (Turcot-Syndrom, Gardner-Syndrom etc.), nur 0,1 Prozent aller CRC-Patienten. Die Non-Polyposis Syndrome betreffen ca. 2–10 Prozent der CRC-Patienten, die genaue Zahl lässt sich nur durch Ausweitung des genetischen Screenings und durch Aufbau und Auswertung nationaler Krebsregister eingrenzen.
Familiär prädisponierte kolorektale Karzinome außerhalb der typischen Syndrome werden bei weiteren 10–30 Prozent der CRC-Patienten angenommen, wobei die Stammbaumanalyse extremes Gewicht bekommt, da ein deutlich erhöhtes Krebsrisiko besteht, nicht aber in so ungewöhnlichem Maße wie bei den Syndromen
.
Klassische familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) und seltene Polyposis-Syndrome
Die FAP ist eine obligate Präkanzerose mit autosomal dominantem Erbgang, deren Penetranz meist vollständig ist. Die Erstbeschreibung von Patienten mit disseminierter Kolon- und Rektumpolyposis erfolgte bereits 1882
. Lockhardt-Mummery erkannte und beschrieb erstmalig 1925 die Vererblichkeit
. Gardner et al. sowie Turcot identifizierten in den fünfziger Jahren den autosomalen Erbgang der Erkrankung, so dass erstmals sichere individuelle Prognosen über das familiäre Erkrankungsrisiko möglich wurden
,
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