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05.07.2017

Leber durch Atemtest gerettet

Lesen im Atem: Innerhalb von 30 bis 40 Minuten können die Ärztinnen (vlnr.) Abigail Attisso, Dr. Stephanie Werth und Jasmin Sibai am Gerät ablesen, wie gut die Leber der Patientin funktioniert
Kreuzworträtseln gegen Langeweile: Hans Godlinski freut sich schon auf Zuhause.


Hans Godlinksi ist auf dem Weg in den Urlaub, als er plötzlich auf dem Rastplatz zusammenbricht. In einem Krankenhaus in Süddeutschland wird er notoperiert. Diagnose: Leberriss. Die während der Operation entnommene Gewebeprobe erklärt einige Tage später, warum das Organ des 82-Jährigen plötzlich blutete.

„Die Diagnose Leberkarzinom war ein großer Schock für mich“, erinnert sich Hans Godlinski. Sein Hausarzt überweist ihn ins Klinikum Herford, in die Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralschirurgie. Hier werden jährlich rund 60 Patienten mit Lebertumoren operiert.

Nicht immer können Tumore durch eine Operation entfernt werden. Vor allem, wenn der Krebs große Teile der Leber befallen hat oder die Leber vorgeschädigt ist. Ein anschließendes Leberversagen wäre dann die Folge einer Operation. „Die Leberfunktion des Patienten spielt bei der Therapieentscheidung eine wichtige Rolle. Ist die Funktion nicht ausreichend, kann das Wachstum des Tumors nur noch mithilfe einer Chemotherapie aufgehalten, der Patient aber nicht geheilt werden“, weiß Dr. Stephanie Werth. Mithilfe eines speziellen Atem-Tests erhielt die Oberärztin innerhalb von 30 Minuten einen Überblick darüber, wie gut die Leber von Hans Godlinski arbeitete. Morgen wird er entlassen. Während der Operation konnte der Tumor erfolgreich entfernt werden. Eine Chemotherapie braucht er nicht.

„Wie sagen es die Kölner? Et hätt noch immer jot jejange. Ich habe alles gut überstanden und dafür bin ich dankbar. So langsam wird mir hier aber doch ein wenig langweilig“, sagt Hans Godlinski und lacht. Zuhause warten seine drei Enkelkinder auf ihn.

So funktioniert der LiMAx-Test
Der Patient liegt auf einer Patientenliege, ihm wird eine Atem-Maske aufgesetzt. Intravenös erhält er eine Lösung mit 13C-Methacetin, einer Vorstufe zum Paracetamol, bei dem einige Kohlenstoffatome gewissermaßen markiert sind. In gesunden Leberzellen wird diese Vorstufe rasch zu Paracetamol abgebaut und der markierte Kohlenstoff freigesetzt. Er gelangt über das Blut in die Lunge, wo er in die Atemluft übergeht.

Das LiMAx-Messgerät erkennt mithilfe eines Infrarotlasers die relative Menge des schwereren 13-wertigen Kohlenstoffs. Innerhalb von 30 bis 40 Minuten lässt sich am Gerät ablesen, wie gut die Leber aktuell funktioniert. Je größer die Menge des schweren Kohlenstoffs in der Atemluft ist, desto mehr 13C-Methacetin wurde abgebaut – und desto gesünder ist die Leber.

Bei Leberkrebs entfernen Chirurgen den Tumor und z.T. auch gesundes Lebergewebe. Bislang konnte man den Eingriff bei vielen Patienten nicht wagen, weil das Risiko eines kompletten Leberversagens zu hoch war. Der Test erlaubt nun, die Kapazität der Leber im Vorhinein besser einzuschätzen und die Sterberate deutlich zu senken. Deutschlandweit wird er in nur zehn weiteren Universitätskliniken und seit Oktober 2016 zur Sicherheit der Patienten auch im Klinikum Herford angewandt.