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13.04.2016

Im Gespräch über moderne Strahlentherapie

Teambesprechung in der Klinik für Strahlentherapie
Ihre Patienten aufzuklären, ist Irene Czichowski-Vieweger wichtig

 

Krebs existiert in vielen verschiedenen Formen, jede Tumorart ist anders, dementsprechend sind die Therapiemöglichkeiten äußert vielfältig – eine der ältesten Methoden gehört heute zu den innovativsten Verfahren der Krebsmedizin: die Bestrahlung. In Deutschland gibt es den Facharzt für Strahlentherapie zwar erst seit 1985, die Geschichte und Entwicklung dieses medizinischen Gebietes lässt sich aber über fast 100 Jahre zurückverfolgen. Geburtsstunde der Strahlentherapie war am 08.November 1895, als der deutsche Physiker Conrad Röntgen die besonderen Strahlen entdeckte, mit denen es möglich war, in das Innere von Organismen zu blicken. Nach der Entdeckung der Röntgenstrahlung wurde der Strahlentherapie der Weg zu dessen rasanten Entwicklung geebnet. Von der anfänglichen nur unkoordinierten Bestrahlung, ermöglicht die Strahlenheilkunde heute eine maßgeschneiderte Therapie für jeden Patienten.

„Das zu bestrahlende Zielgewebe im Körper des Patienten kann aus allen Richtungen angesteuert werden“, erklärte Irene Czichowski-Vieweger in ihrem Vortrag zum Thema „Moderne Strahlentherapie bei Krebserkrankungen“, den sie im Rahmen der Herforder Gesundheitsgespräche hielt. „Anders als bei einer Chemotherapie gelingt es somit, die Wirkung der Strahlungen lokal auf das betroffene Gewebe auszurichten, ohne den gesamten Körper anzugreifen, wodurch  die umliegenden, gesunden Organe geschützt werden.“  Ein ebenso wichtiger Fortschritt in diesem Zusammenhang ist, dass nicht nur die Tumore präzise bestrahlt werden können, sondern auch die Strahlendosis individuell je nach Patient und Tumorentität angepasst werden kann. Auch die Therapiedauer hat sich maßgeblich verkürzt. Waren früher noch mehrere Sitzungen Bestrahlungstherapie zur Bekämpfung der lebensgefährdenden Tumore nötig, so ist es heute möglich, die Behandlung auf wenige Sitzungen zu beschränken.

„So gewinnbringend die Bestrahlungstherapie für die Patienten ist, so birgt die Behandlungsmethode, wie viele andere, leider auch Nebenwirkungen, über die aufgeklärt werden muss“, weiß die erfahrene Chefärztin. „Diese sind allerdings von Patient zu Patient unterschiedlich und stehen in keiner Relation zum Nutzen.“ Einige Patienten weisen nach der Strahlentherapie  Beschwerden an den Schleimhäuten auf  oder leiden an Funktionsstörungen der umliegenden Organe des Bestrahlungsbereichs. „Von den angeblichen Nebenwirkungen habe ich nichts gespürt“, berichtet Manfred Tielke, der nach seiner Behandlung des Prostatakrebses, einer Kombination aus Chemo-, und Strahlentherapie, jetzt kurz vor der Operation steht. Der Vortrag im Herforder Klinikum interessierte ihn besonders, da er sich darüber bewusst ist, dass Aufklärung rundum die Behandlungsmethoden das A und O ist: „Man weiß nie, ob das der einzige Krebs im Leben ist, man möchte ja wissen, was auf einen zukommt“. Eins weiß der Betroffene aber ganz sicher. „Man darf nie die Hoffnung verlieren und muss immer positiv denken, auch wenn es manchmal schwer fällt.“, appelliert der 77-jährige an alle in seiner Situation.

Ebenso positiv richtet sich Ernst Bohnenkamp, ehemaliger Leiter der Selbsthilfegruppe Prostatakrebs in Minden, an Krebspatienten: „Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass das Wichtigste in solch einer Situation ist, sich selbst nicht aufzugeben und fest an Heilung zu glauben, was sicherlich schwer ist. Aber wer aufgibt, der hat schon verloren, dem können Ärzte auch nicht helfen.“ Auch ihn erschütterte vor sieben Jahren die Diagnose Prostatakrebs. Mit einer Lebenserwartung von damals nur noch sechs Monaten, hat ihm die Strahlentherapie 2009 das Leben gerettet. Allerdings folgte 2012 dann der Schock, Diagnose Strahlencystitis, eine Entzündung der Harnblase, ausgelöst durch Strahlen, die zu Blutungen führen kann. Obwohl die Spätfolgen der Strahlentherapie bis heute das Leben des 70-jährigen bestimmen, hilft ihm seine positive, aber dennoch realistische Lebenseinstellung mit seinem Schicksal umzugehen: „Es gibt kein Allheilmittel, das ist klar, das einzige Gegenmittel ist, fest daran zu glauben, dass es in irgendeiner Form weitergeht.“

Auch wenn die Art der Krebserkrankung, die Behandlungsmethoden und auch die Schicksale der Betroffenen noch so vielseitig und unterschiedlich sein können, über den Umgang mit der Situation waren sich die Zuhörer des Vortrages einig. Eine hoffnungsvolle Lebenseinstellung, positives Denken und Aufklärung über das Krankheitsbild sowie dessen Therapiemöglichkeiten sind neben der richtigen Behandlung maßgebliche Faktoren im Kampf gegen den Krebs. Dabei stellen die Herforder Gesundheitsgespräche die geeignete Plattform dar, sich einerseits über Innovationen in medizinischen Fachbereichen aller Art zu erkundigen, andererseits aber gleichermaßen aktiv mitzureden, indem Fragen an die Fachärzte gestellt werden.

 


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